Rede von Helmut Mader anlässlich des Straßenfests der SPD in der Einflugschneise

Hier noch eine kleine Nachlese zum Straßenfest der SPD in der Einflugschneise. Für unsere Bürgerinitiative hat anlässlich dieses Festes Helmut Mader gesprochen.
Dies waren seine Worte:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
lieber Herr Feldmann,

im Namen der Bürgerinitiative „In Eintracht gegen Fluglärm“ und im Namen der Niederräder Bevölkerung heiße ich Sie herzlich willkommen in unserem Stadtteil. Seit dem 1. Juli haben Sie kaum noch Freizeit. Dass Sie dennoch an einem Sonntagnachmittag zu uns kommen, wissen wir sehr zu schätzen.

Helmut Mader begrüßt
OB Peter Feldmann

Mein Willkommensgruß gilt auch den Bürgerinnen und Bürgern aus den anderen Frankfurter Stadtteilen und den umliegenden Kommunen, den Damen und Herren Stadtverordneten und Abgeordneten des Hessischen Landtags. Besonders danke ich Ralf Heider, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Ortsbeirat 5, und Imren Ergindemir für die Organisation dieses Sommerfests in der Einflugschneise.

Liebe Niederräderinnen und Niederräder,
wir haben Glück mit dem Straßenfest. Es ist ein wunderschöner Sommertag. Solche Tage wie heute gibt es statistisch 80 bis 90 im Jahr. Damit meine ich nicht den Sonnenschein und die sommerliche Temperatur. Ich meine die Windrichtung. Wir haben Ostwind. Das heißt, die Nord-West-Landebahn wird nicht über Offenbach, Oberrad, Sachsenhausen und Niederrad angeflogen, sondern von Westen.

Wenn aber die von Herrn Jühe, dem Bürgermeister von Raunheim und Vorsitzenden der Fluglärmkommission, geforderte Rückenwindkomponente umgesetzt ist, werden dies nur noch etwa 30 bis 40 Tage sein. Bei bis zu 7 Knoten östlichem Rückenwind sollen die Flugzeuge dann auch über den Süden Frankfurts einfliegen.

Helmut Mader erinnert den neuen OB
an seine Wahlversprechen

Westlich der Landebahn wird Raunheim dann wahrscheinlich den Status eines Luftkurorts erhalten, während Niederrad der Unbewohnbarkeit näher rückt. „Mit Niederrad geht’s bergab“, wird Imren Ergindemir am Donnerstag in der FNP zitiert. Liebe Imren, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, das werden wir nicht zulassen. Dies ist unsere Heimat, unser Zuhause. Viele von uns leben hier seit Generationen, lange, bevor man auch nur an Flugverkehr gedacht hat. Hier gibt es Schutzbedürftige in Alten- und Pflegeheimen, in Schulen und Kindergärten. Viele von uns sind langfristige Mietverträge eingegangen, haben hier Wohneigentum erworben, im Vertrauen auf das Versprechen der Landesregierung, dass nach der Startbahn West kein weiterer Flughafenausbau erfolgen würde. Wir wurden von der Politik belogen und betrogen. In irregeleiteter Wirtschaftsgläubigkeit haben es Landes- und Stadtregierung zugelassen, dass die Menschen im Süden Frankfurts, in Offenbach und in anderen Kommunen permanentem, infernalem Lärm und lebensgefährlicher Luftverschmutzung ausgesetzt werden. Nach einem solchen Ausmaß von Ignoranz und Menschenverachtung sucht man selbst in diktatorisch geführten Ländern vergeblich.

Deshalb wehren wir uns. Unser Widerstand wird nicht enden, bevor diese unselige Landebahn umgepflügt und wieder begrünt ist. Ich werde nicht aufhören, daran zu glauben, dass der Tag kommt, an dem Politiker unseres Landes und unserer Stadt, den kapitalen Fehler begreifen werden, der mit der Genehmigung der Landebahn in unserem Stadtgebiet gemacht wurde. Es wird Politiker geben, die Menschenleben höher werten, als wirtschaftliche Ziele.   Einen solchen haben wir im März zu unserem Oberbürgermeister gewählt. Herr Feldmann, Sie haben am 3. Dezember 2011 zum ersten Mal diese Straße, die Neuwiesenstraße, besucht und mit uns gesprochen. Damals waren Sie noch nicht einmal Kandidat Ihrer Partei. Dennoch wollten Sie sich ein persönliches Bild vom Leiden der Menschen in diesem Stadtteil machen.

Im Wahlkampf haben Sie sich dann für ein echtes Nachtflugverbot von 22:00 bis 6:00 Uhr ausgesprochen und für eine Lärmminderung in der Einflugschneise der Nordwest-Landebahn auf 55 dB Dauerschallpegel und 70 dB Einzelschallereignis. Deshalb haben wir uns für Sie engagiert.Nach Ihrer Wahl haben Sie auf dem SPD-Parteitag am 12. Mai die Forderungen erneuert. Die Schraube im Süden unserer Stadt sei überdreht, haben Sie gesagt, und der Preis, den die Menschen zahlen, sei zu hoch.

Im Aufsichtsrat der Fraport AG würden Sie diesen Standpunkt vertreten, haben hinzugefügt. Deshalb wollte man Ihnen zunächst ja auch den Ihnen zustehenden AR-Sitz verweigern. Und nun, da Sie in den Aufsichtsrat einziehen werden, versucht man, Ihnen Anweisungen zu geben, wie Sie sich dort zu verhalten haben. Sehr geehrter Herr Feldmann, im Aufsichtsrat vertreten Sie die Eigentümer der Gesellschaft. Diese sind zu 20,11% die Bürger Frankfurts und zu 31,49% die Bürger des Landes Hessen. Von den Einwohnern Hessens entfallen wiederum 11,5% auf die Stadt Frankfurt am Main. Herr Oberbürgermeister, Sie haben in dem Gremium eine starke Position. Nach dem deutschen Aktiengesetz hat der Aufsichtsrat den Vorstand zu überwachen und nicht von ihm Weisungen entgegenzunehmen.

Dieser Tage wird uns allenthalben Hermann Hesse in Erinnerung gerufen. Sein Todestag jährte sich zum 50. Mal. Er war einer, der sich nicht unterordnete. Er sagte: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Liebe Niederräderinnen und Niederräder, liebe Sachsenhäuser, liebe Oberräder, liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, liebe Nachbarn von außerhalb: Wir werden das scheinbar Unmögliche möglich machen.

Die Bahn muss weg!

Demo: Gesundheit im Endanflug

Am 2. März 2012 haben wir in der Innenstadt gegen die neue Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen demonstriert. Durch die neue Landebahn werden nicht nur der Frankfurter Süden, sondern ganz Frankfurt mit schädlichen Emissionen belastet. Aus diesem Grund rufen die Frankfurter Bürgerinitiativen zur Schließung der Landebahn und für einen Politikwechsel in der Stadt Frankfurt auf.