Gute journalistische Arbeit sieht anders aus – Zur Fraport Hauptversammlung in der FNP

Noch nie in ihrer Geschichte war eine Fraport-Hauptversammlung so sehr von der Lärm- und Gesundheitsthematik bestimmt, wie die am 31. Mai 2013. Von den insgesamt rd. 30 Aktionärsbeiträgen haben sich lediglich zwei nicht mit der Lärmthematik befasst. Die kürzliche Entscheidung der Fraport, den Lärmschutz zum ständigen Tagesordnungspunkt einer jeden Vorstands- und Aufsichtsratssitzung zu machen, zeigt im Übrigen erste Anzeichen einer Bewusstseinsbildung selbst bei diesen Gremien. Wenngleich bedauerlich bleibt, dass sowohl bei der Fraport als auch bei der derzeitigen hessischen Landesregierung Veränderungen erst einsetzen, wenn der Druck groß genug wird, ist zwischenzeitlich immerhin eine gewisse Bewegung zu konstatieren. Angesichts der bedrückend ungünstigen Fraport-Geschäftsaussichten in den nächsten Jahren (abnehmende Flugbewegungen, hohe Abschreibungen und Betriebskosten, historisch hoher Verschuldungsgrad) verwundert auch die im Vergleich zum MDAX sehr schlechte Aktienkursentwicklung nicht. Anders als Ihr ungenügend vorbereiteter und wohl nicht bis zum Ende der Hauptversammlung anwesender Autor schreibt, ist an dieser unterdurchschnittlichen Entwicklung gerade nicht ein gestiegenes Investoreninteresse (sondern das Gegenteil) zu erkennen. Selbst die Lufthansa AG hat ihren Anteil an der Fraport AG im letzten Jahr um fast 20% reduziert. Die Aktienkursentwicklung bleibt aber leider nicht die einzige Fehlbeobachtung in Ihrem Artikel. Qualität von Protesten und begründeter Ausdruck von Unmut ist nicht immer eine Frage der Lautstärke (auch, wenn Ihre gleichtägige Blockupy-Berichterstattung das Gegenteil nahelegt). Fraport und deren Hauptgesellschafter werden sich nicht nur auf Hauptversammlungen weiterhin intensiven Protesten ausgesetzt sehen, es sei denn, es kommt hier endlich zu einem echten Umdenken und wirklichen (nicht nur kosmetischen) Lärmreduzierungen bei den vielen Hunderttausend Hochbetroffenen im Rhein-Main-Gebiet. Schade: Gute, ausgewogene journalistische Arbeit sieht anders aus. Der Fraport AG ist gleichwohl viel Erfolg in Istanbul zu wünschen (finden An- und Abflüge dort doch über dem Bosporus und nicht über dicht besiedeltem Gebiet statt).

Leserbrief von Dr. Andreas Leimbach zum Artikel Fraport gibt Istanbul nicht auf in der Frankfurter Neuen Presse vom 1.6.2013

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